Was bisher geschah…

Ein ganzes Jahr ist vergangen seit meinem letzten Beitrag. Und fast die gesamte Zeit davon hat der Yeti in Argentinien in Quarantäne verbracht. Aber nun ist er endlich wieder „on Tour“. Die Geschichte bekommt eine Fortsetzung – Season 2 der Saga vom Ritt auf dem Yeti. Der richtige Moment um zu erzählen was seither geschah… 

Am Tag nach der ambulanten Operation des Yeti sind wir von Futaleufú (Chile) nach Esquel (Argentinien) eingereist. Wie sich kurz danach herausstellte, war das der letztmögliche Zeitpunkt: Tags darauf hat Argentinien die Grenzen zu den Nachbarländern wegen Corona geschlossen. Die Pandemie – bisher nur in den Nachrichten aus der Heimat ein Thema – war plötzlich auch in Patagonien angekommen. Die Situation für uns Overlander hatte sich damit grundlegend verändert: Wurden wir vorher überall sehr interessiert und freundlich empfangen, waren wir nun plötzlich die verseuchen Europäer, die COVID-19 nach Südamerika einschleppten. Bereits am Morgen nach der Grenzschliessung ist die Polizei in meinem Hotel aufgetaucht und hat kontrolliert wann ich woher eingereist bin und ob ich Síntomas hätte – es sollte die erste von zahlreichen Kontrollen in den kommenden Wochen sein. Dann musste Richard seine Reise aus der Schweiz nach Argentinien absagen; eigentlich wäre geplant gewesen, dass wir uns in Bariloche treffen und in den folgenden Wochen in den Anden ein paar gemeinsame Touren machen. Angesichts der neuen Quarantäne-Vorschriften machte ein Besuch nun aber keinen Sinn mehr.

Trotzdem hatte ich noch die Hoffnung, dass der Spuk rasch vorbei sein würde und ich meine Reise irgendwie würde fortsetzen können. Schon ein paar Tage später begann ich zu ahnen, dass dies wohl ein Trugschluss sein würde. Ich war nach Bariloche gefahren und wollte dort erst einmal abwarten, sehen wie sich die Lage entwickelt und neue Pläne schmieden. Die Corona-Massnahmen wurden dann aber täglich verschärft und es wurde immer klarer, dass die argentinische Regierung alle Touristen möglichst rasch loswerden wollte. Innerhalb kürzester Zeit wurden zuerst die Restaurants, danach alle touristischen Einrichtungen und schliesslich auch die Hotels geschlossen und die Leute auf die Strasse gesetzt. Mir wurde eines morgens beim Frühstück mitgeteilt, dass ich das Hotel innerhalb der nächsten zwei Stunden zu verlassen hätte obwohl ich eigentlich noch für eine weitere Woche ein Zimmer reserviert hatte. Da am gleichen Abend auch eine allgemeine Ausgangssperre beginnen sollte und sich somit niemand mehr ohne Permiso draussen aufhalten geschweige herumreisen durfte, wurde ich quasi über Nacht zum schutzsuchenden Ausländer ohne Bleibe der so rasch wie möglich irgendwie von der Strasse weg musste. Eine unangenehme Situation, die mich zugegebenermassen kurzzeitig ziemlich an den Anschlag brachte.

Es galt nun also so rasch wie möglich eine neue Unterkunft zu finden während gleichzeitig die Hotels geschlossen wurden und ich wegen der Ausgangssperre auch nicht mehr im Yeti übernachten durfte. Glücklicherweise liess sich die Jefe de recepción eines örtlichen 5-Sterne Hotels nach längerem insistieren erweichen und hat mich temporär aufgenommen trotz dem verärgerten Kopfschütteln ihrer beiden Kollegen; eigentlich waren die Hotels angehalten alle Gäste schnellstmöglich loszuwerden und nicht noch zusätzliche aufnehmen! Eine von zahlreichen Gelegenheiten, bei denen sich die enorme Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft der Menschen hier in Argentinien zeigte! „Wir hier in den Bergen sehen das alles nicht so strikt wie die dort oben in der Hauptstadt“ wurde mir beruhigend erklärt… Damit hatte ich also erstmal wieder ein Dach über dem Kopf. Dank der Vermittlung von Klemens & Birgit (meinen Container Buddies) und ihren argentinischen Bekannten Rolo und Jorge konnte ich zwei Tage später vom Hotel in ein Apartment umziehen und hatte so auch wieder eine Unterkunft wo ich notfalls längerfristig hätte bleiben können. 


Nun galt es zu entscheiden: Sitze ich die Pandemie vor Ort in Bariloche aus oder versuche ich die Rückreise in die Schweiz zu organisieren. Und falls ich zurückkehre: Was passiert dann mit dem Yeti? Schweren Herzens und nach langem Abwägen habe ich mich für eine Rückkehr entschieden. Wenn schon in der perfekten Schweiz das Gesundheitswesen an den Anschlag zu kommen drohte, wäre es leichtsinnig gewesen zu bleiben und sich im Krankheitsfall auf das mit deutlich geringeren Mitteln ausgestattete argentinische System verlasen zu müssen. Damit war aber auch klar, dass mein Abenteuer und meine Auszeit vermutlich zu einem abrupten Ende kommen würden. Das musste ich zuerst einmal verdauen! Ausserdem war eine Rückkehr gar nicht so einfach zu organisieren: Die meisten Flüge waren gestrichen worden und es war fast unmöglich auf normalem Weg an ein Ticket zu kommen. An einen Rücktransport des Landis war in dieser chaotischen Situation schon gar nicht mehr zu denken… To make a long story short: Mit tatkräftiger Unterstützung meines Bruders aus der Heimat, dem Globetrotter in Zürich, der Schweizer Botschaft in Argentinien sowie Rolo und Luis in Argentinien haben wir schliesslich ein Plätzli für den Yeti in Bariloche und eine Rückreisemöglichkeit für mich in die Schweiz gefunden. Ein paar Tage später bin ich nach einer nervenaufreibenden dreitägigen Reise Anfang April 2020 wohlbehalten und er-leichtert in Zürich gelandet. 

Mittlerweile sind in meinen Leben wieder Alltag und Routine eingekehrt und das ist auch gut so nach der ganzen Aufregung. Der Bart ist immer noch dran aber auf schweizerischen Durchschnitt zurechtgestutzt. Ich bin seit einigen Monaten wieder am Arbeiten und Geld verdienen. Und natürlich bin ich auch immer wieder mal am Träumen von vergangenen und zukünftigen Reisen in einer coronafreien Welt. Aber was ist aus dem Yeti geworden und wie ging bzw. geht seine Geschichte weiter? Mehr dazu im nächsten Beitrag…

5 thoughts on “Was bisher geschah…

  1. Echt toll und erfreulich wieder mal ein Update zu erhalten. Spannend: Was da so in der fast so scheinend, eingeschränkten Bewegungsfreiheit doch noch passieren darf. Im Zuge der Zeit könnte einem die Idee kommen: Die Welt habe aufgehört zu drehen. Neugierig und voller Vorfreude werde ich die nächsten Beiträge herbei wünschen!
    Buena suerte y diviértete en tu próximo viaje.

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