Ambulante Operation

Bisher hat der Yeti über 10’000 km lang prima durchgehalten und ist wie ein Weltmeister über die Pisten hier in Patagonien gesaust. Die holprigen Schotterstrassen sind vielleicht eine Herausforderung für die schicken Stadtwägeli oder die diversen Esjuwie’s, die von ihren Besitzern über die Carretera Austral gejagt werden. Einem Defender ringen solche Strassenverhältnisse aber nur ein müdes Lächeln ab, denn Strassen sind etwas, was er eigentlich gar nicht braucht…

Trotzdem hat es ihn vor zwei Tagen nun erwischt und er stand etwas angeschlagen in Puyuhuapi, einem Kaff an der Carretera Austral in Chile, herum. Nicht das Corona-Virus hat ihn eingeholt sondern an seiner Achillesferse, der Elektrik, zwickte es ihn. Bei einem meiner zahlreichen Photostopps war mir aufgefallen, dass seine Augen nicht mehr wie gewohnt leuchteten. Bei einem genaueren Check am gleichen Abend hat sich dann herausgestellt, dass Abblend- und Fernlicht und eine der beiden Rückleuchten nicht mehr funktionierten. Während das Rücklicht schnell repariert war, bereiteten mir die anderen Leuchten Kopfzerbrechen: Die Birnen waren ok, die Sicherungen in Ordnung, die Lichthupe und damit der Multifunktionsschalter funktionierten auch. Damit wäre das Problem gemäss Recherchen im Internet entweder dieser sch**** Lichtschalter gewesen, der mir schon vor der Abreise in der Schweiz einmal verreckt ist, oder ein Relais hätte seinen Geist aufgegeben, womit ich dann ziemlich aufgeschmissen gewesen wäre, denn so ein Ersatzrelais habe ich nicht dabei und austauschen könnte ich es selbst hier vor Ort schon gar nicht. 

Die Erfahrung lehrt einem bei der Fehlerbehebung zuerst immer die einfachen Dinge zu versuchen: Ich habe mir also an der örtlichen Tankstelle erst mal eine Dose WD-40 besorgt, den Schalter kräftig damit eingesprüht und einige Male hin und her gehebelt. Danach bin ich in die nächste Beiz zum Abendessen und habe der Zauberflüssigkeit Zeit zum Einwirken gelassen (ich meine den Kontaktspray, nicht das Glas Rotwein…). „Morgen ist auch noch ein Tag…“, dachte ich mir. 

Am nächsten Morgen stellte sich dann leider heraus, dass die einfache Variante mit dem Kontaktspray nicht funktioniert hatte. Wäre ja auch zu schön gewesen… Damit blieb nur noch die mühsame Option übrig: Den Lichtschalter auswechseln und hoffen, dass dieser der Übeltäter ist. Und was soll ich sagen: Trotz meiner 49 Jahre Erfahrung als staatlich zertifizierter Nicht-Handwerker habe ich es tatsächlich hinbekommen und den defekten Lichtschalter ausgebaut und den Ersatzschalter wieder eingebaut. Und was wohl keiner, der meine zwei linken Hände kennt, erwartet hätte, geschah tatsächlich: Es wurde wieder Licht… 😄🏆🎖🙏

Also ein wenig stolz bin ich schon auf meine erste, selbst durchgeführte Autoreparatur auch wenn die Handwerker unter euch wohl nur müde lächeln werden ob dieses relativ einfachen Lichtschalter-Austauschs. Aber das ist mir Wurscht; ich habe mich auf jeden Fall beim anschliessenden, wohlverdienten Siegerbier selbst zum Dr. Dr. h.c. Mechus Automobilius Landis Roverus ernannt… 

P. S.: Es ist nicht so, dass wir beide die Scheinwerfer wirklich brauchen würden, denn der Yeti und ich sind wegen der vielen Viecher auf der Strasse ohnehin nur bei Tageslicht unterwegs. Aber hier in Chile ist es genau wie in der Schweiz obligatorisch auch am Tag mit Licht zu fahren. Zusätzlich hockt hier noch hinter jedem dritten Baum ein Polizist, der nur darauf wartet, dich rauszuwinken, falls du diese Vorschrift nicht befolgst (siehe meinen entsprechenden Blog-Beitrag zur Onedaysomedaytoday-Reise von vor drei Jahren).

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