Patagonia Tours Teil 2: Der Stier und das Gipfeli

Wie schon das Schild am Eingang von El Chaltén besagt, befinden wir uns hier in der Capital Nacional del Trekking von Argentinien. Na dann trekken wir mal… Ich kenne die Gegend um Monte Fitz Roy und Cerro Torre schon von meiner ‘Catch-the-trade-Winds’-Auszeit von vor acht Jahren und wollte diesmal eine Tour etwas abseits der häufig begangenen Routen unternehmen. Zudem sollte es nur eine zweitägige Wanderung werden weil ich zuerst testen wollte, ob meine alten Knochen das ganze Gepäck überhaupt noch schleppen können.

Mein Wahl fiel deshalb auf einen Trail zur Lagune am Ende des Glaciar Toro (der Stier) an Tag 1 und den Rückweg via Loma del Pliegue Tumbado (das Gipfeli) an Tag 2. Ein wenig verunsichert haben mich die Informationen der Nationalpark-Rangerin zu dieser Tour dann aber doch: Gemäss ihrer Darstellung führt diese registierungspflichtige Wanderung auf einem schwierigen und unmarkierter Pfad in eine entlegene Gegend des Nationalparks. Auf dem Weg dorthin müssen reissende Flüsse durchquert und hungrige Pumas getötet werden. Und für diejenigen, die es trotz allem irgendwie schwerverletzt hin und zurück schaffen, halten sie im Centro de Visitantes Blutkonserven bereit… Ich übertreibe natürlich ein wenig aber im Vergleich zu ihrer Schilderung war der Weg dann durchwegs gut sichtbar, die reissenden Flüsse nur mittlere Bergbäche und anstatt Pumas habe ich nur jede Menge herziger Feldhasen gesehen… Da hat sie bei mir wohl den Chinesen-Massstab angelegt – ich muss definitiv an meinem Auftreten arbeiten 😊.

Insgesamt war es aber eine wunderschöne und für den Anfang recht anspruchsvolle Wanderung über insgesamt 46 km und rund 2300 Höhenmeter (aufwärts). Das wäre sicher auch für unser jährliches Wanderweekend ganz akzeptabel, oder?

P.S.: Leider habe vom Gipfeli keine Photos mehr, weil der Akku meines Eifones da keinen Saft mehr hatte. Als Beweis dafür, dass ich oben war, muss euch also ein nachträgliches Photo der Anzeige meiner Trekkinguhr von Tag 2 der Tour genügen…

3 thoughts on “Patagonia Tours Teil 2: Der Stier und das Gipfeli

  1. 👍🏼 wunderbare Bilder. Normalerweise übertreiben die Ranger aber nicht, oder? Könnte es am Spanisch liegen….🤪. Che boludo…. (gringo🤣).

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    1. Am Spanisch hat’s diesmal definitiv nicht gelegen, denn wir haben uns auf englisch unterhalten… 😉 Es war auch nicht der einzige Park wo die Ranger extrem vorsichtig bzw. konservativ geworden sind bei Beschreibung der Anforderungen von Trails. Es hat leider mittlerweile viele ‘Wanderer’, die keinerlei Erfahrung in den Bergen mitbringen und völlig ahnungslos in die Natur rausmarschieren. Ein Beispiel: Als ich um 16 Uhr vom Paso Cuadrado runter gekommen bin, kommt mir ein Mitte-Zwanziger in T-Shirt, Turnschuhen und ohne Wasser entgegen, der meint er könne noch schnell auf den Gipfel obwohl die Tour rund 6 Stunden dauert und es oben schon da etwa 15 Grad kälter und natürlich windiger war als am Fuss des Berges. Anderes Beispiel: Der Circuito um Fitz Roy dauert 6 Tage, davon 2 ganze über den Gletscher. Das hinderte zwei Jungs nicht dran, die Tour ohne Ausrüstung (kein Seil, keine Steigeisen, kein GPS) in Angriff zu nehmen. Was machen die, wenn einer in eine Spalte fällt? Runter rufen: “Hola, wie geht’s, soll ich deine Mami anrufen?”. Ich habe hier unten schon mehrfach beobachtet, dass die Leute oft viel zu spät zu einer Tour aufbrechen oder die Anforderungen krass unterschätzen. Die Ranger haben vermutlich auch keine Lust bei solchen Notfällen dann jedesmal ausrücken zu müssen…

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